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- Was ist der CRAN?
Der Repräsentative Rat der Vereinigungen der Schwarzen (CRAN) wurde am 26. November 2005 gegründet und versammelt heute mehr als 120 Vereinigungen. Diese Föderation hat zum Ziel, gegen Diskriminierungen und Rassismus gegen Schwarze zu kämpfen, sowie den Reichtum und die Vielseitigkeit der Kulturen aus Afrika und den Antillen zur Geltung zu bringen.
- Sind nur Schwarze Mitglied des CRAN?
Nein. Der CRAN steht allen offen. Er vereinigt zahlreiche nichtschwarze Menschen, die der Meinung sind, dass die Situation der schwarzen Bevölkerungsgruppen in unserem Lande untersucht, diskutiert und verbessert werden soll. Wenn der CRAN eine Föderation der Vereinigungen der Schwarzen ist, so bedeutet das lediglich, dass diese Föderation das Schicksal der Schwarzen verbessern möchte. Dieses Ziel vereinigt alle Menschen guten Willens. Doch ist es verständlich, dass diese Vereinigungen eine Mehrheit schwarzer Menschen zählen, denn diese haben ein besonderes Interesse daran, gegen jene Diskriminierungen anzukämpfen, denen sie selbst ausgesetzt sind, genauso wie etwa feministische Vereinigungen vor allem Frauen zusammenführen.
- Steht der CRAN für gemeinschaftliche Abschottung?
Nein. Der CRAN setzt sich für die Chancengleichheit ein, damit die Vielfalt der französischen Gesellschaft im Allgemeinen besser repräsentiert wird. Doch diese Dynamik setzt eine Infragestellung der bestehenden Hierarchien voraus. Jene, die diese Kritik stört, verschanzen sich allzu oft hinter einem abstrakten Universalismus, der jedoch (recht schlecht) symbolische Ordnungen verbirgt, wie etwa die männliche, weisse, bürgerliche, katholische Ordnung usw. Die, die diese Vielfalt unbequem finden greifen zu einer recht schwachen Defensive, indem sie die gemeinschaftliche Abschottung all jener anprangern, die sich für Gleichheit einsetzen, nämlich der Schwarzen, Araber, Juden, Homosexuellen usw. Wahr ist, dass CRAN ja zum „Universalismus“, aber nein zum „Uniformalismus“ sagt.
- Wir sagen, „die Schwarzen sind in Frankreich unsichtbar“: Was bedeutet das?
Man ist im kontinentalen Frankreich mit schwarzer Haut erst einmal nicht unauffällig. Das Paradoxon ist, dass die Schwarzen in Frankreich individuell sichtbar, aber als soziale Gruppe unsichtbar sind. Zunächst sollen sie als soziale Gruppe gar nicht erst existieren, da die Französische Republik Minderheiten nicht offiziell anerkennt und sie auch nicht zählt. Man könnte sich der Unsichtbarkeit der schwarzen Bevölkerungsgruppen erfreuen oder zumindest denken, dass dies nicht an sich ein Problem darstellt, wenn bestimmte soziale Schwierigkeiten, die sie belasten, gemessen, erkannt und anerkannt wären. Doch dies ist nicht der Fall. So stellt Unsichtbarkeit nicht die friedliche Konsequenz einer Abwesenheit von Problemen, sondern eine Benachteiligung dar.
- Ist es nicht ein Sprachmissbrauch, von den „Schwarzen“ zu sprechen?
Auf die Frage „Wer ist schwarz?“ antworten wir weder mit Argumenten der Natur (was auf eine biologische Auffassung einer Rasse verweisen würde), noch mit solchen der Kultur (was auf die unendliche Vielfalt der kulturellen Unterschiede zwischen den Menschen verweisen würde), sondern mit sozio-politischen Argumenten: in mehrheitlich nicht schwarzen Gesellschaften, ist demnach ist derjenige ein Schwarzer, der als Schwarzer gesehen und bezeichnet wird. A minima ist schwarz eine Bevölkerung von Männern und Frauen, deren geteilte soziale Erfahrung diejenige von erlittener Diskriminierung aufgrund ihrer Hautfarbe ist. Die Schwarzen haben gemeinsam, dass sie in Gesellschaften leben, die sie als Schwarze betrachten. Meistens haben sie nicht die Wahl so zu sein oder nicht zu sein, wie man sie sieht. Um es mit Sartre zu sagen, ist ein Schwarzer ein Mensch, den die anderen Menschen für schwarz halten.
- Gibt es in Frankreich ein „Problem der Schwarzen“?
Nein. Aber es gibt ein Problem, das Frankreich mit seinen schwarzen Bevölkerungsgruppen hat. Dieses Problem hat komplexe historische Wurzeln, die mit der Sklaverei und dem Kolonialismus verbunden sind. Unser Ziel ist es, Personen mit gutem Willen zu bewegen, die schwierige Situation dieser Gruppen zu verbessern und gegen die rassischen Diskriminierungen anzukämpfen, denen sie zum Opfer fallen.
- Was bedeutet rassische Diskriminierung?
Eine Diskriminierung ist eine nachteilige Behandlung, die einer Person aufgrund ihrer wirklichen oder angenommenen Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe, zugefügt wird. Eine rassische Diskriminierung ist eine nachteilige Behandlung auf rassischer Grundlage (zum Beispiel die Hautfarbe oder jede andere phenotypische Unterscheidung). Die rassische Diskriminierung kann also schwarze Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Staatsbürgerschaft usw. betreffen. Nehmen wir das Beispiel einer schwarzen Frau, der man eine Arbeitsstelle verweigert, weil es „die Kundschaft nicht gern sehen würde“: es handelt sich hierbei um eine rassische Diskriminierung. Ihre Herkunft spielt hier keine Rolle, es geht um ihre Hautfarbe. Im Gegensatz zum Rassismus, der eine Ideologie ist, stellt die Diskriminierung eine konkrete Handlung dar.
- Wie kann man gegen rassische Diskriminierungen ankämpfen?
Gegen rassische Diskriminierungen zu kämpfen besteht zunächst darin, sich für die Handlungen zu interessieren, durch welche Menschen aus dem Anlass heraus, dass sie nicht das richtige Aussehen haben, auf ungerechte Weise behandelt werden. Der Kampf gegen Diskriminierungen will effizient diesen Schäden ein Ende bereiten. Er ist konkreter und pragmatischer als der Kampf gegen den Rassismus.
Die Schwierigkeit besteht zunächst darin, die rassischen Diskriminierungen zu erkennen, um effiziente Antworten zu bringen. Hier herrscht in Frankreich ein Manko, denn es gibt keine statistischen Werkzeuge mit denen die Diskriminierung und die Effizienz der politischen Massnahmen gegen Diskriminierung gemessen werden können. Man kann sich lediglich auf Zeugnisse berufen, die zwar zahlreich und übereinstimmend sind, aber z.B. keine Messungen und Jahresvergleiche ermöglichen.
Es sind hauptsächlich zwei Formen der Anti-Diskriminierungspolitik möglich und wünschenswert.
Zum einen, eine Politik der Sanktionierung von diskriminierenden Verhaltensweisen. Das Strafrecht erkennt rassische Diskriminierungen zwar an und bestraft sie, doch muss man zugeben, dass die Justiz nicht aktiv genug für die Einhaltung dieses Gesetzes sorgt. Zu wenige Fälle münden in ein Gerichtsverfahren. Die Richter sind nicht ausreichend ausgebildet und oft nicht motiviert genug, um die Akten zu Fällen der Diskriminierung zu untersuchen und darüber zu urteilen.
Zweitens, eine Politik der aktiven Förderung von Vielfältigkeit. Diese Politik wird in den USA „affirmative action“ genannt, „positive Diskriminierung“ heisst sie in Frankreich. Welcher Begriff auch verwendet wird, es geht darum Vorrichtungen zu entwickeln, um die Abwesenheit von Vielfältigkeit in zu vielen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen zu beenden. Das Wesen dieser Vorrichtungen sollte Thema einer grossen nationalen Debatte werden.
- Ist die Erstellung einer ethno-rassischen Statistik nicht gefährlich?
Die ethno-rassische Statistik existiert bereits in zahlreichen Ländern. Ihr Ziel ist nicht, Menschen in biologische oder essentialistischen Kategorien einzuordnen, sondern Diskriminierungen zu messen, um sie besser bekämpfen zu können. Die Demographen machen keine Aussagen zur Natur von „Rasse“ oder „Ethnie“ und nehmen auch keine ontologische Stellung dazu. Diese Begriffe sind lediglich Referenzen, um eine spezifische Misslage zu charakterisieren und gegen sie eingreifen zu können. Diese Statistiken sind anonym: sie erlauben Diskriminierungen zu ermessen, sie erlauben nicht Individuen zu identifizieren.
- Wer entscheidet darüber, ob jemand Schwarze(r) ist oder nicht?
Die ethno-rassische Statistik beruht auf Eigenerklärungen: in den Vereinigten Staaten oder in Gross-Britannien beantworten die Interessierten selbst diese Frage. Niemand entscheidet an ihrer Stelle. Die Antworten sind nicht pflichtig.
- Was sollen wir von HALDE denken?
Es ist offensichtlich, dass die vor über einem Jahr gegründete HALDE (Hohe Behörde des Kampfes gegen Diskriminierungen und für Gleichheit), erstaunlich schweigsam bleibt und sich nicht die Mittel gibt, effizient gegen die rassischen Diskriminierungen anzukämpfen, sie darüber hinaus herunterspielt und mit anderen Formen der Diskriminierung zusammenwirft. Nicht das Prinzip von HALDE wird in Frage gestellt, sondern die bedauernswerte Untätigkeit ihrer Mitglieder. Es ist normal, einer neuen Institution die Zeit zu geben, sich zu etablieren. Doch die Ungeduld der so herabgesetzten Bevölkerungsgruppen ist gross und HALDE befriedigt nicht die Erwartungen, die an sie gestellt werden. Statt die Debatte über die Mittel zu führen, mit denen gegen Diskriminierung gekämpft werden kann, reagiert HALDE mit Schweigen oder Floskeln, die das Problem umgehen. |